
LCD-Bildschirm meines Acer Spin 5 wechseln
Wie ich den defekten Bildschirm meines Laptops selbst repariert habe
Im Dezember 2021 habe ich mir einen Laptop für die Uni gekauft. Da ich zu diesem Zeitpunkt gerne handschriftliche Notizen gemacht habe und ich diverse theoretische Module belegt hatte, deren Abgaben man nur schlecht mit Tastatur und Maus machen konnte, habe ich mich entschieden, ein Convertible zu kaufen. So habe ich mir einen Acer Spin 5 des Modells SP513-54N zugelegt.

Man kann den Laptop-Bildschirm um 360° drehen und darauf mit dem mitgelieferten Touchpen schreiben. Acer hat dafür mit Wacom, einem führenden Zeichentablett-Hersteller kooperiert. Der Touchscreen erkennt sehr genau, wie sehr der Stift aufgedrückt wird, was zum Zeichnen sehr praktisch ist.
Leider belastet das 360°-Drehen das Kabel, das den Bildschirm und das Mainboard verbindet, da es in den Scharnier geklemmt ist und stark verdreht wird. Nach ca. 3 Jahren intensiver Nutzung begann der Bildschirm, gelegentlich zu flackern, was auf eine Beschädigung des Kabels hindeutet. Da das Problem nur sehr selten auftrat, habe ich eine Weile damit gelebt, bis der Bildschirm eines Tages beim Hochfahren schwarz blieb und vollständig kaputt war. Der Laptop selber funktionierte noch und war, über ein HDMI-Kabel an einen externen Monitor angeschlossen, weiterhin benutzbar.
Leider war die Garantie bereits knapp abgelaufen, das Einsenden in eine Werkstatt war teuer und hätte vor allem eine lange Zeit gedauert, in der ich keinen Ersatz für meinen Laptop gehabt hätte. Daher habe ich beschlossen, das Problem selber anzugehen, obwohl ich wenig Erfahrung mit der Reparatur von Elektronik hatte.
Nach ersten Recherchen hatte ich die Vermutung, dass der Bildschirm nichts zeigte, weil das Bildschirmkabel nun vollständig defekt war und habe ein neues bestellt, um es zu ersetzen.


Um das Kabel zu ersetzen, müssen die Scharniere des Laptop-Bildschirms aufgeschraubt werden und der Bildschirm samt Plastik-Rückwand vom Laptop getrennt werden. Das alte Kabel hängt dann aus dem demontierten Bildschirm heraus.


Um dieses zu ersetzen, muss dann allerdings noch der Bildschirm von der Rückwand getrennt werden, damit man die Anschlüsse erreichen kann. Dies erwies sich als recht schwierig und riskant, da der Screen aus der Plastik-Rückwand herausgebrochen werden muss, ohne die ebenfalls auf der Rückwand klebende Kamera und WLAN-Antenne zu beschädigen. Dafür gibt es Spachtel-ähnliche kleine Plastikwerkzeuge wie die aus diesem Set:

Aber nach längerem Herumprobieren stellte sich heraus, dass eine alte Otto-Kundenkarte das beste Mittel war, um Rückwand und Bildschirm zu trennen.


So ließ sich der Bildschirm aufbrechen:

Und das Kabel ersetzen:

Leider hat der Bildschirm auch mit dem neuen Kabel nicht funktioniert. Ich bin kein Experte, aber kann mir vorstellen, dass das defekte Kabel zu einem Kurzschluss o.ä. im Bildschirm geführt hat und diesen vollständig zerstört hat. Insofern kann ich froh sein, dass es nur den Bildschirm erwischt hat und nichts im Inneren des Laptops.
Daraufhin habe ich im Internet einen neuen LCD-Bildschirm bestellt. Leider ist dieser nicht mit dem Touchpen kompatibel, weil Ersatzteile mit der originalen Wacom-Technik deutlich teurer waren. Zu diesem Zeitpunkt habe ich den Touchpen allerdings sowieso kaum noch benutzt, weshalb die fehlende Funktion kein tragischer Verlust für mich war.

Um den Bildschirm zu tauschen, mussten die Scharniere erneut geöffnet werden und der alte Bildschirm aus der Rückwand herausgebrochen werden. Letzteres ging nun deutlich einfacher. Und siehe da, meine Reparatur war erfolgreich gewesen und der Laptop war endlich wieder einsatzbereit! Da ich den neuen Bildschirm nur auf die alten Klebereste draufgedrückt und nicht noch neuen Klebstoff aufgetragen hatte, sitzt der Bildschirm seitdem etwas wackelig auf der Rückwand, was mich aber nicht weiter stört und mich den Bildschirm in Zukunft mit deutlich weniger Gewalt demontieren lässt (zum Beispiel falls ich das Kabel nochmal tauschen muss).

Ein kleines Problem gab es aber doch noch: Nach dem zweifachen Auf- und Zuschrauben der Schrauben an den Scharnieren waren die 4 Schräubchen stark abgenutzt, weshalb ich nur 3 wieder einschrauben konnte. Damit der Laptop sich weiterhin stabil öffnen und schließen lässt, wollte ich allerdings lieber 4 Schrauben verwenden, deshalb vermaß ich die übrige Schraube und bestellte ein Set mit kleinen Schrauben, in der sich sicherlich ein Ersatz finden ließe.
Die Schrauben passten gut und ich beschloss, auch die restlichen 3 Schrauben zu ersetzen, da auch diese schon Abnutzungserscheinungen zeigten. Falls ich nochmal das Kabel tauschen müsste, wäre es gut, wenn sich die Schrauben mühelos lösen ließen.

Die ursprünglich verbauten Schrauben nutzten sich in der Tat sehr schnell ab, denn beim Entfernen einer dieser Schrauben überdrehte sich diese sofort, sodass sie sich nicht mehr richtig rausdrehen ließ. Leider saß sie auch noch besonders fest und ließ sich nicht mehr mit dem passenden Schraubendreher, oder auch anderen Aufsätzen lösen. Im Internet laß ich den Tipp, ein Gummiband unterzulegen, aber auch das half nicht, obwohl die Schraube gar nicht so überdreht wirkte und noch nah genug an ihrer alten Form war.
In einem verzweifelten Versuch klebte ich einen Schraubendreher mit Sekundenkleber in die Schraube, ließ das Konstrukt über Nacht trocknen und versuchte am nächsten Morgen erneut, sie rauszudrehen.

Doch auch diesmal vergeblich.
Die nächste Eskalationsstufe wäre gewesen, die Schraube zu zerbohren oder mit einem zusätzlichen Werkzeug eine neue Passform hineinzufräsen, aber dazu hatte ich wenig Lust, weil ein Abrutschen dabei den Laptop vollständig zerstören würde. Das Risiko war es mir nicht Wert. Allerdings ging ich an dem Tag zufällig meine Eltern besuchen und fragte meinen Vater, ob er mal sein Glück versuchen möchte. Dieser schaffte es tatsächlich noch, die Schraube mit einem Schlitz-Schraubendreher zu lösen. Sollte das Kabel nochmal kaputt gehen, kann ich den Bildschirm also problemlos nochmal abschrauben und das Kabel ersetzen.
Ich finde es schade, dass die Schrauben so schlecht verarbeitet sind und der Laptop offensichtlich nicht darauf ausgelegt ist, dass man ihn, wenn er kaputt ist, nicht sofort ausrangiert, sondern auseinander baut und die defekten Teile ersetzt. Das wäre umweltfreundlicher und günstiger. Trotzdem hat die Reparatur in Eigenregie gut funktioniert und ich hatte durchaus Spaß daran.
Noch Fragen?